Zu viel auf einmal

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Jeder von uns kennt es
Man nimmt das Handy in die Hand, eigentlich nur kurz und dann passiert es einfach:
Ein lustiges Katzenvideo, direkt danach eine Nachricht über Krieg, jemand zeigt das neueste Make-up, im nächsten Moment explodiert irgendwo etwas, man scrollt weiter und weiter und weiter... fast automatisch.
Leid, Freude, Werbung, Grausamkeit. Alles huscht in Sekunden vorbei. Ohne Übergang. Ohne Pause.
Und irgendwann merkt man: Innen kommt gar nichts mehr richtig an. Nicht, weil es egal wäre. Sondern weil es zu viel ist.
Unser Inneres ist nicht dafür gemacht, all das gleichzeitig zu halten. Gefühle brauchen Zeit. Einen kleinen Raum, um sich entfalten zu können. Beim Scrollen bleibt dieser Raum jedoch oft aus. Kaum hat etwas berührt, wird es schon vom nächsten Eindruck überlagert. Was eben noch Betroffenheit ausgelöst hat, verschwindet unter dem nächsten Reiz.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl danach: eine Müdigkeit, die nicht vom Tun kommt. Eine innere Spannung, obwohl man äußerlich nur gesessen hat. Manchmal auch eine seltsame Leere. Das hat nichts mit mangelndem Mitgefühl zu tun und nichts mit persönlicher Schwäche. Es ist eher ein Zeichen dafür, dass unser Nervensystem überfordert ist von dieser ständigen Gleichzeitigkeit.
Zu viele Reize, zu nah, zu schnell!

Warum fällt es trotzdem so schwer aufzuhören?
Weil unser Gehirn auf Neuheit reagiert. Jede neue Information, jedes überraschende Bild, jede unerwartete Wendung aktiviert unser Belohnungssystem. Das Unvorhersehbare zieht uns an. Vielleicht kommt gleich noch etwas Interessantes. Vielleicht noch etwas Wichtiges.
Dieses „Vielleicht“ hält den Daumen in Bewegung. Nicht, weil wir schwach sind, sondern weil unser Gehirn genau so funktioniert.
Was kann helfen?
Es braucht keine radikalen Verbote. Keine strengen Regeln.
Oft reicht eine kleine Unterbrechung. Beim Scrollen kurz innehalten. Einen Atemzug bewusst nehmen. Spüren, wie sich der Atem gerade anfühlt. Sind die Schultern angespannt? Ist da Druck im Nacken oder hinter den Augen? In diesem Moment wird oft erst spürbar, wie sehr der Körper mitgescrollt hat.
Und dann eine Entscheidung treffen: Genug für jetzt!
Das Handy beiseitelegen. Aufstehen. Ein paar Schritte gehen. Licht, frische Luft oder einfach einen Moment Stille wahrnehmen. Einfach wieder etwas Echtes spüren!
Das ist keine große Lösung. Es ist eine kleine Geste von Selbstfürsorge.
Und manchmal beginnt Entlastung genau dort, wo wir langsamer werden – in einer Welt, die immer schneller wird.


