Wann sind uns eigentlich die anderen egal geworden?

Von Tanja Golob••
Wann sind uns eigentlich die anderen egal geworden?

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Wann sind uns eigentlich die anderen egal geworden?

Sagt mal, fällt euch das eigentlich auch auf? Ich habe in letzter Zeit immer öfter das Gefühl, dass die Menschen rücksichtsloser geworden sind.

Und ich meine gar nicht die großen gesellschaftlichen Themen. Ich meine den ganz normalen Alltag. Da werden Einfahrten und private Stellplätze zugeparkt, weil man ja „nur zwei Minuten“ weg ist. An der Kasse oder irgendwo in einer Warteschlange wird sich einfach vorgedrängelt, als wäre die eigene Zeit wichtiger als die der anderen. Im Straßenverkehr wird gedrängelt, geschnitten oder sich noch schnell irgendwo reingequetscht. Müll bleibt einfach liegen. Irgendjemand wird ihn schon wegräumen. Oder es wird etwas beschädigt und man geht einfach weiter, als ginge einen das nichts an.

Und wenn jemand etwas sagt? Dann kommt nicht selten nicht einmal ein „Entschuldigung“. Stattdessen wird sich gerechtfertigt oder, noch schlimmer, man wird auch noch beleidigt.

Natürlich gab es rücksichtslose Menschen schon immer. Aber ich habe wirklich das Gefühl, dass es immer mehr werden.

Diese Haltung: Ich zuerst. Und was das für die anderen bedeutet, ist deren Problem.

Genau die begegnet mir inzwischen erschreckend oft.

Und wisst ihr, was ich daran eigentlich am schlimmsten finde? Dass es meistens um absolute Kleinigkeiten geht. Zwei Minuten. Ein paar Meter weiter laufen. Kurz warten. Jemanden vorbeilassen. Den eigenen Müll mitnehmen. Dinge, bei denen man sich wirklich keinen Zacken aus der Krone brechen würde. Und trotzdem scheint selbst das manchmal schon zu viel verlangt zu sein.

Warum eigentlich? Sind wir inzwischen so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir die anderen tatsächlich nicht mehr sehen? Ist die eigene Zeit wichtiger? Die eigene Bequemlichkeit? Das, was man selbst gerade möchte?

Ich weiß es nicht. Aber ich finde diese Entwicklung ehrlich gesagt ziemlich erschreckend. Denn Rücksichtnahme ist für mich eigentlich etwas ganz Einfaches: Mitdenken. Mehr ist es oft gar nicht.

Und vielleicht sollten wir trotzdem wieder öfter etwas sagen, wenn jemand genau das gerade vergessen hat. Natürlich nur dort, wo es die Situation zulässt und man sich damit wohlfühlt. Es geht nicht darum, sich mit jemandem anzulegen oder sich auf eine endlose Diskussion einzulassen. Aber warum nicht freundlich darauf aufmerksam machen? Denn wenn Rücksichtslosigkeit immer einfach hingenommen wird, wird sie irgendwann vielleicht tatsächlich selbstverständlich.

Also lasst uns wieder ein bisschen mehr aufeinander achten. Und vielleicht auch wieder den Mut haben, etwas zu sagen, wenn es angebracht ist.

Was meint ihr? Fällt euch diese zunehmende Rücksichtslosigkeit auch auf?